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Montsant – eine Weinregion, wo Natur groß geschrieben wird

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Montsant – eine Annäherung.

Selten gab es ein Beispiel für einen so kometenhaften Aufstieg einer Weinregion wie den von D.O. Montsant*.

2001 ins Leben gerufen und nach nicht einmal 20 Jahren hat dieses Weinanbaugebiet heute internationalen Respekt und Bewunderung, Faszination und Anerkennung gefunden sowohl beim Fachpublikum wie auch beim Weinliebhaber. Hier ist von keiner gepushten Trendgeschichte die Rede, heute hip und morgen vergessen, auch nicht das Geschöpf eines Weinfürstes im Medienbereich, der hier etwas hat hochleben lassen um im nächsten Jahr  den Adrenalinkick woanders zu suchen.

Es geht um ein  Weinanbaugebiet, das es in Rekordgeschwindigkeit vom Geheimtipp zu einer der in der Welt anerkannt führenden Weinregionen gebracht hat allein durch seine eigenen Ressourcen und mit diesem Quäntchen Glück, eine Welt vorgefunden zu haben,  die sich bereit erklärte für dieses neue Abenteuer.

Selbstverständlich wurde schon vor der offiziellen Herkunftsbezeichnung Weinanbau in dieser Region betrieben. Diese Gegend gehört zu den ältesten in Katalonien und galt im Mittelalter als eine der klassischen Weinanbaugebiete Spaniens. Der Schritt hin zu einer eigenen D.O. war sehr hilfreich sowohl für die Qualität als auch die Identität der Weine, die auf diese Weise ein eigenes, starkes Profil gewonnen haben.

Die D.O. Montsant, die nach einem langgestreckten Bergrücken benannt ist, liegt in der Landesprovinz Priorat. Das Priorat  besitzt 2 Weinregionen (D.O.Q. Priorat und D.O. Montsant), die wie 2 Schwestern kulturgeschichtlich, soziologisch und im Erscheinungsbild aus einem gemeinsamen Familienstamm gewachsen sind, aber auch jede kraftvoll und selbstbewußt ihre Eigenart betont.

Die gesamte Provinz Priorat atmet Natur. Industrie ist kaum angesiedelt, überdimensionierte flächenfressende Gewerbegebiete auch nicht. Dafür finden wir hier viel, enorm viel Landschaft, Naturschutzgebiete und eben auch Landwirtschaft. Wobei letztere fast immer eingebettet ist in die Natur, oder wie die Menschen dort selbst sagen, eine Symbiose in einer Agrar-Naturlandschaft gefunden hat. Abgesehen vom Weinanbau, der klar dominiert,  sind es Oliven, Haselnuß und auch Getreide, die kultiviert werden.

Es ist unmöglich von Landwirtschaft und Weinanbau im Priorat zu sprechen, ohne auf eine besondere Organisationsform zu sprechen zu kommen, die Genossenschaften. Diese lokale Besonderheit des Arbeitens und Zusammenlebens innerhalb einer Kooperative,  die in ganz Katalonien seit Anfang des letzten Jahrhunderts eine große Tradition hat, ist das Rückgrat einer Landwirtschaft, die auf diese Weise versucht, dem Bauern und Winzern ihren individuellen Freiraum zu geben im Anbau und Produktherstellung.  Gleichzeitig schafft sie die Möglichkeit, viele Arbeitsbereiche in der Abwicklung auf mehr Schultern zu verteilen, Risiken zu mindern und in der Kommerzialisierung der Produkte zu helfen.

Diese Art der Vereinigung der Bauern und Winzer unter dem Dach einer Kooperative ist ein horizontales, basisdemokratisches Modell von Zusammenleben und Arbeiten, in das oft  ganze Dörfer eingebunden sind. Es ist nicht selten eine Ortschaft von 200 bis 300 Seelen zu finden, wo der einzige Laden über diese Genossenschaft betrieben wird.

So sind hier die Bauern, egal ob sie Oliven, Wein, Mandeln oder Getreide in ihrem Repertoire haben, sehr zufrieden, daß Arbeitsbereiche wie Verkauf, Lagerung, Marketing und Promotion einem selbst geschaffenen Team von Experten in die Hand gegeben werden und sie in der Produktion sowohl auf Fachwissen wie auch Materialien und Maschinen zurückgreifen können und gleichzeitig ihre ganze Energie auf das legen, was ihnen am Herzen liegt, aus der Natur das schönste Produkt herauszuholen.

Und die Leute vor Ort tun alles dafür, daß dies auch so bleiben soll und über der tagtäglichen Arbeit werden auch größere gemeinsame Ziele nicht außer Acht gelassen:

Auf der einen Seite bewirbt sich der ganze Priorat für das Unesco Kulturerbe als einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, und auf der anderen Seite spricht D.O. Montsant und deren Winzer davon, ihre gesamte Produktion schrittweise nach ökologischen Prinzipien umzustellen. Auch die, die nicht biologisch zertifiziert sind, arbeiten mit dem Kompromiß, die natürlichen Ressourcen zu schonen und befinden sich hin auf dem Weg zu  einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Dieser Charakterzug eines unaufgeregten, den Zyklen der Natur absolut nahen Weinanbaus läßt sich durchgängig beobachten. So sind nicht umsonst die meistverbreiteten Weinreben die autochthonen Sorten Garnatxa (Grenache) und Carinyena (Carignan). Diese roten Trauben haben in diesem Landstrich ihre Essenz und es ist faszinierend zu beobachten, wie jeder Winzer hier seine individuellen Kreationen schafft.

Wobei auch hier bei der Unverwechselbarkeit eines Weins die Natur wieder stark ihre Finger im Spiel hat.  Denn wo gibt es auf einem geographisch so eng vermessenen Raum eine solche Vielfalt an Erde, an Gestein? Je nach Lokalität finden wir hier Kalk oder Ton, Schiefer oder Sand. Diese jeweiligen Gesteinsarten in Verbindung mit den meteorologischen Besonderheiten wie zum Beispiel Meeresnähe oder mehr Kontinentalklimaeinflüsse zusammen mit der Höhenlage des Weingutes  machen gemeinsam das Terroir und damit die Ausdrucksstärke des Weines aus. Es ist wie eine Welt von unterschiedlichen stark lokal ausgeprägten Mikroklimas, in denen sich der Montsant  mit tausend Facetten und Gesichtern zeigt.

All diese Elemente machen aus diesem Landstrich etwas Einmaliges, und dieses Einzigartige kann auch bei dem Wein, der hier produziert wird, erlebt werden. Also wer noch keinen Montsant Wein gekostet hat, sollte sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Und wer Montsant Weine schon kennt, wird sicher wissen, daß da eine Faszination von ihnen ausgeht, die einen nicht losläßt und immer wieder neu auf Entdeckerreise führen wird.

 

* D.O.   –  denominación de origen –  in Spanien verwendet für Herkunftsbezeichnung von Lebensmittel, speziell für Wein. Wird in Verbindung mit einer Qualitätskontrolle und Definitionen des Anbaus (welche Reben verwendet werden dürfen etc.) von den lokalen Behörden ausgestellt.

Die Reise ins Priorat im Mai 2018 wurde ermöglicht durch eine Einladung der D.O. Montsant / Argos Wine Consulting

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