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Reisen nach Katalonien in Covid Zeiten

Strand Barcelona mit Covid Maske, ©foto michael statsmann

Während der Monate Juli und August des Sommers 2020 war das katalanische Hinterland zu über 90% ausgebucht. Dagegen waren an der Mittelmeerküste viele Hotels geschlossen, weil die Besucher fern geblieben sind.

An der Costa Brava zum Beispiel fehlten die internationalen Gäste eines Pauschaltourismus vor allem aus Mittel- und Nordeuropa.  Touristenhochburgen an der Küste wie Lloret de Mar oder Blanes zeigten ein ungewohntes Bild mit wenigen Besuchern an Stränden und in den Restaurants.  Auf der anderen Seite bewies sich beim nationalen Tourismus und den Besuchern aus den direkten Nachbarländern mit einer Umorientierung hin zu den Ferien auf dem Land ein Geschäftsmodell, was in Coronazeiten überall in Europa bestens funktionierte: Die Menschen suchten abseits der großen Hotelketten und Resorts die kleinen unabhängigen Übernachtungsmöglichkeiten, die Ferienwohnungen und -häuser, das Idyll vom Urlaub auf dem Bauernhof oder Unterkünfte jeder Art in Dörfern und Kleinstädten.  Einzelreisende wie auch Familien genossen ihre Sommerferien im Grünen, um einer eventuellen Überfüllung an der Küste aus dem Wege zu gehen.

Der Individualtourismus dieser Charakteristika hat einen ungeahnten Boom  erlebt und sogar die Buchungszahlen aus den vergangenen Jahren hinter sich gelassen.

Es waren vor allem die Reisenden aus den katalanischen Großstädten und anderen spanischen Provinzen,  aber auch aus dem benachbarten Frankreich und Italien, die der lokalen Tourismusindustrie in diesem Sommer einen Aufschwung nach dem Lockdown im Frühjahr gebracht haben.  Und die sich glücklich schätzenden Stadtbewohner, die schon eine Zweitwohnung auf dem Land hatten, waren die ersten, die  in diesem Jahr Eigennutzung anmeldeten. Sie vermieteten sie nicht weiter  nicht  wie sonst,  während sie selbst weit entferntere Ziele ansteuerten.

Aber ein ungewohntes Bild gab es in diesen Wochen und Monaten auch in den katalanischen Großstädten. Selbst Barcelona, das sich sonst kaum vor Massentourismus in den letzten Jahren retten konnte, ist zur Zeit eine lebenswerte und entspannte Stadt geworden mit einer einladenden Atmosphäre. Während die Stadtviertel, deren Geschäfte, Hotels und Restaurants sich in den letzten Jahren voll auf den internationalen Tourismus gestützt haben, logischerweise am meisten von dem Ausbleiben ihrer Kunden betroffen sind. In diesen Vierteln herrscht zur Zeit eine fast gespenstige Ruhe und viele Geschäfte haben für immer geschlossen.  Die Etablissements, die sich stärker in ein Stadtteilmilieu eingebunden haben oder es jetzt in dieser Zeit es geschafft haben sich neu zu orientieren, schaffen es am ehesten in diesen Zeiten über die Runden zu  kommen.

Anfang des Sommers gab es punktuell Covid Hotspots mit hohen Ansteckungszahlen in einigen eher ländlichen Bereichen. Dies war auf unzulängliche Lebensbedingungen der Erntehelfer und Arbeitsbedingungen in der Ernte sowie in der fleischverarbeitenden Industrie zurückzuführen. Hier wurde schnell versucht Abhilfe zu schaffen und auch diese Zahlen sind nun zurück gegangen. So lief zum Beispiel die Weinernte im August und September  unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ohne Zwischenfälle ab.

Also Reisen nach Katalonien in Covid Zeiten – geht das?

Argumente, die dafür sprechen:

Das Wetter. Auch und gerade in den nächsten Herbst- und Wintermonaten ist es mit einem ausgeprägten mediterranen Klima viel leichter, die sicheren Abstände einzuhalten und auch einen Großteil der Aktivitäten im Freien zu gestalten. Wo kann ich schon in Europa in dieser Zeit entspannt auf einer Restaurants- oder Caféterrasse sitzen?

Die gesetzlichen Vorlagen.  Es gibt seit Anfang des Sommers eine allgemeine Maskenpflicht, auch für den, der sich im Freien aufhält. Ausnahmen: während des Restaurant- oder Baraufenthaltes, am Strand oder für alle, die draußen aktiv Sport betreiben. Damit läßt sich gut leben und gibt auch ein generelles Sicherheitsgefühl.

Das Land und seine Bevölkerungsdichte. Wer das Hinterland besucht, hat riesige Freiräume. Zum Beispiel die Region Priorat mit seiner großartigen Natur und bekannt weltweit als Weinanbaugebiet hat ganze 18 Einwohner pro km2.  Zum Vergleich –  in Deutschland gibt es keinen Regierungsbezirk mit einer so niedrigen  Bevölkerungsdichte. Eine der weitläufigsten Gebiete in Deutschland ist die  mecklenburgische Seenplatte mit 3 mal so viel Einwohnern pro km2.

Die Infrastruktur.  dieses Land ist bestens vorbereitet mit vielen Fahrrad- und Wanderwegen. Die „vias verdes“, ehemalige stillgelegte Eisenbahnlinien sind heute oft breite Fahrradwege, die durch schönste Landstriche führen. Oder wer einmal im Alt oder Baix Empordà auf den weit vernetzten Feld- und Wanderwegen unterwegs war, die alle bestens ausgeschildert sind, nimmt unvergessliche Erlebnisse als Erinnerungen mit.

Die Städte.  Auch Städte wie Barcelona können im Augenblick stressfreie Urlaubsziele sein. Als Fußgänger hast du Raum wie selten. Die Stadt hat, um dem Fußgänger und Fahrradfahrer nach Corona mehr Platz zu geben, einige Straßen für den Autoverkehr geschlossen oder auch einen Fahrstreifen den Autos weggenommen und den Fußgängern zurückgegeben und  vielerorts die Höchstgeschwindigkeit auf 30 kmh herabgesetzt. Auch den Cafés und Bars wurde vielerorts die Möglichkeit gegeben, die Terrassen zur Straße hin zu erweitern.

Das Handicap.  Wie komme ich nach Katalonien? Es ist wie mit den Inseln der Glückseligen. Um dort hinzugelangen, müssen volle Flugzeuge oder lange Landwege mit ihren jeweiligen Risiken auf sich genommen werden. Und wann und ob das von unserem Verkehrsminister angestoßene Projekt eines paneuropäischen Intercity realisiert wird, der es ermöglichen soll, schnell aus den großen Zentren von Deutschland hin zu Regionen und Städten wie zum Beispiel Barcelona und Katalonien zu kommen, werden bestimmt noch ein paar Jahre ins Land gehen.

Was bleibt. Vielleicht noch etwas Geduld.  Oder wer die Möglichkeit hat mit seinen eigenen Medien (Auto etc.) anzureisen, um auch vor Ort unabhängiger zu sein und nicht auf den Flieger zurück greifen muss, der wird hier auf ein Land treffen, das bestens vorbereitet ist und diszipliniert und geordnet auch nach den Richtlinien der Gesundheitsbehörden das Gemeinwesen am Laufen hält.

Foto: Playa Bogatell in Barcelona, Sommer 2020 ©michael statsmann, vivalebio

IN EIGENER SACHE:  Ab Oktober 2020 werden wir  Reiseempfehlungen und Tipps für Katalonien nicht weiter aktualisieren, bis die Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt für diese Region außer Kraft gesetzt werden. 

Weitere Info zur Covid-19 Situation in Spanien über das Auswärtige Amt .

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