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L’Albera – eine südländische Landschaftsmalerei

L’Albera – eine südländische Landschaftsmalerei aus Korkeichenwäldern, Olivenhainen und Weinbergen. L’Albera nennt sich der östlichste Teil der Pyrenäen. Ein Gebirgsrücken, der sich bis zum Mittelmeer hinzieht.  Dieser langgestreckte Gebirgszug mit mehreren Gipfeln um die 1200m Höhe bildet gleichzeitig die natürliche Grenze zwischen Frankreich und Spanien.

 

Wer mit dem Hochgeschwindigkeitszug oder auf der Autobahn aus Frankreich kommt, befindet sich nach der Grenzüberschreitung auf der Passhöhe unversehens in der Tiefebene des Empordà wieder.  So kann ein Spanienbesucher, der auf dem Landweg die mediterrane Route gewählt hat, ein landschaftliches Kleinod leicht übersehen.

Berge, kleine Dörfer, geschwungene Landstraßen, Bilder wie aus einem mediterranen Bullerbü.

Aber wer sich ein bisschen Zeit nimmt und sich auf einer der kleinen Landstraßen dem Bergmassiv annähert, wird eine äußerst reizvolle hügelige Landschaft vorfinden. Kleine Städtchen und Dörfer wechseln sich ab, eingebettet in einem fruchtbaren Vorgebirgsland.  

Kleinbauern mit nachhaltiger Produktion.

Überdurchschnittlich viele Bauern arbeiten hier nach den Prinzipien des ökologischen Anbaus.  Und sie verpflichten sich einer nachhaltigen Produktion, die versucht im Einklang mit der Natur zu stehen. Der Vin Naturel, der unbehandelte Naturwein, ist hier nicht nur eine Modeerscheinung sondern Lebensüberzeugung.  Autochthone Rinder grasen frei unter den Bäumen an den Berghängen und sorgen auf diese Weise , dass der Wildwuchs an Sträuchern unter Kontrolle bleibt. Ein natürlicher Brandschutz.

 

Weinberg im Alt Empordà

Weinanbau im Alt Empordà, im Hintergrund der Gebirgszug von L’Albera.    Foto © Michael Statsmann  / VivaLeBio

Gallier aus den Bergen:

Während der Corona Epidemie wurden mehrere Bergpässe in diesem Teil der Pyrenäen von den französischen Grenzbeamten geschlossen und bis heute nicht wieder geöffnet. Als Grund werden illegaler Grenzübergang und Schmuggel genannt. Damit wurde aber auch der traditionsreiche nachbarschaftliche Austausch der kleinen Dörfer auf beiden Seiten der Grenze verhindert oder zumindest arg erschwert. Seitdem gibt es immer wieder Demonstrationen auf dem Bergrücken und den umliegenden Ortschaften. Und die Felsbrocken, die oben auf dem Berg von dem französischen Grenzschutz auf die Straße gerollt wurden um den Durchgang zu verhindern, wurden mit Parolen für einen freien Durchlass bemalt. Oder diese Zyklopensteine werden auch einfach mit Traktoren auf die Seite geschoben und als Trophäe und Mahnmal in die nächsten katalanischen Dörfer gebracht. Was den französischen Staat nicht daran hinderte, Tags darauf wieder neue Hindernisse auf den Weg zu rollen. 

Es scheint so, als hätte  der Kampf von Asterix und Obelix um die Hoheitsrechte in ihren gallischen Dörfern hier echte Nachfahren bei den Bewohnern dieser katalanischen Bergdörfer gefunden.

 

Schafsherde des Weingutes "La Vinyeta"  im Alt Empordà
Schafsherde des Weingutes “La Vinyeta”  im Alt Empordà, mit dem Gebirgszug von L’Albera im Hintergrund. Foto © Michael Statsmann / VivaLeBio
Erneuerbare Energien – Ausblicke und Widerstand: 

 Noch ist die Aussicht sowohl auf die Berge als auch aufs Meer von natürlicher Schönheit. Doch bald könnten hier Windräder stehen. Bis heute sind alle Projekte gescheitert an dem Widerstand der Einheimischen im Verbund mit Naturschutzverbänden. Aber jetzt unter dem Zeichen der Energiekrise und dem Druck von Staat und großen Energiekonzernen scheint die Stunde der Windkraftanlagen nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Das erste große Projekt mit 15 Türmen hat schon die wichtigsten Hürden im Lauf um die Bewilligung überwunden. 

Und da wo die Berge schließlich im Mittelmeer versinken, im Golf von Roses, der großen Bahia mit diesem außergewöhnlichen Panoramablick werden höchstwahrscheinlich in wenigen Jahren auch weit draußen im Meer Offshore-Windparks mit ihren riesigen Rotoren stehen. 

Es gibt viele lokale Initiativen, die lieber auf dezentralisierte kleinere Projekte setzen, um die Energiehoheit in der Region zu bewahren. Auch der Natur- und Vogelschutz spielt hier ein wichtige Rolle. Dieser Landstrich ist von alters her ein Ruhe- und Rastplatz auf einer der europäischen Routen der Zugvögel in Richtung Winterquartier.  

 

Wein- und Olivenölfest in Espolla im Alt Emporda
Das alljährliche Wein- und Olivenölfest im Winter (Fira de Vi i Oli d’Espolla) in Espolla am Eingang der La Albera, Katalonien. Foto © Michael Statsmann / VivaLeBio
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Titelfoto:  Ein winterlicher Blick auf den schneebedeckten Gebirgsrücken L’Albera von der Tiefebene aus gesehen.  Auf dessen Gipfellinie verläuft die Grenze zwischen Frankreich und Spanien.

Am Fuß der Berge die Ortschaft Espolla, umgeben von Olivenhainen und Weinbergen. Diese lebendige Dorf veranstaltet jedes Jahr im Winter sein Olivenölfest mit Verkaufsbuden in seinen kleinen Gässchen. Eine große Attraktion auch für die Franzosen aus dem Nachbarland, die an diesem Wochenende es sich nicht nehmen lassen,  sich hier mit großen Gebinden an Wein und Öl und anderen regionalen Delikatessen einzudecken. Ein Fest, das die neue Ernte mit vielen kulinarischen Angeboten begrüßt. Foto © Michael Statsmann / VivaLeBio

 

Letztes Update Januar 18, 2024

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